Fingernägel wachsen im Urlaub schneller

Wenn man wirklich gestresst ist, ist einiges im Leben einfach nicht wichtig und wird vom Körper „auf Eis gelegt“. Angenommen, du bist dabei, deinen ersten Bungee-Sprung zu machen: In den Stunden zuvor wird dein Bauch vielleicht verrückst spielen, du wirst wahrscheinlich nicht an Sex interessiert sein, es ist nicht an der Zeit, deine Algebra-Hausaufgaben zu machen und jede Heilung kann verzögert werden. Es gibt wichtigere Dinge für deine Körpersysteme. Stattdessen wird dein Herz wie verrückt schlagen, Blut und damit Energie werden zu deine Muskeln strömen, du wirst wach gehalten und der Sauerstoff durchströmt deinen Körper. Alles gute Dinge! Das endokrine und das sympathische System spielen dabei eine wichtige Rolle. Aber es ist nicht gesund, sechs Monate lang in diesem Zustand auf einen Bungee-Sprung zu warten – und es ist auch nicht gesund, unter ständiger Bedrohung oder Stress zu stehen. Wenn diese Systeme für eine lange Zeit eingeschaltet bleiben, wird man Veränderungen,  wie eine langsamere Gewebeheilung, eine schlechtere Verdauung, Gewichtszunahme, Verlust der Libido, ein beeinträchtigtes Gedächtnis und eine schlechtere Lernfähigkeit, Haut- und Fingernagelveränderungen, erhöhten Blutdruck und das Gefühl von Angst bemerken. Auf der anderen Seite: Hast du jemals bemerkt, wie deine Fingernägel im Urlaub schneller wachsen, dein Haar besser wird, deine Haut gesünder aussieht, dein Sexualtrieb zurückkehrt und du einige wirklich „tiefgehende“ Romane lesen kannst? Stress ist gut, aber anhaltender Stress kann die Heilung verlangsamen. Nun, lass uns herausfinden, was wir dagegen tun können. Viele Symptome, die bei chronischen Schmerzen gehäuft auftreten, können mit dem endokrinen und sympathischen System in Zusammenhang stehen. Es gibt ein großes therapeutisches Potenzial, das sich erschließen lässt, wenn man die Stressreaktion und den Übergang von akuten zu chronischen Zuständen versteht.

Biologische Folgen von chronischem Stress über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA)

Gehirn

  • Kurzzeitiger Gedächtnisverlust
  • Schlafstörungen
  • Reduzierte Konzentrationsfähigkeit
  • Geringere Libido
  • Veränderte Plastizität
  • Veränderungen des Appetits

Gewebe

  • Höhere Sensitivität
  • Probleme mit Darm und Blase
  • Verstärkte Entzündung
  • Reduzierter Blutfluss
  • Schlechtere Immunreaktion
  • Schlechtere Wundheilung
  • Fatigue, u.a.

Literaturangaben

Primärquelle: Moseley, G. Lorimer; Butler, David S. (2017): Explain pain supercharged. The clinician`s manual. Adelaide: Noigroup Publications

Treat the Patient, Not the Label: A Pain Neuroscience Update Louw, Adriaan; Schmidt, Stephen; Zimney, Kory; Puentedura, Emilio J. Journal of Women’s Health Physical Therapy43(2):89-97, April/June 2019.