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  • Tonus, Beweglichkeit und “Fasziale Zuglinien”

    Veröffentlich von Marius Streit on 17. August 2023 at 23:44

    Liebes PMS-Team,

    leider führe ich zurzeit eine Diskussion um folgendes Thema: mein Gegenüber ist der Meinung, bei Wirbelsäulenpatienten, die eine anteriore Beckenkippung vorweisen, keine Hüftbeuger-Aktivierung machen zu dürfen. Die Erklärungsmodelle beruhen sich sehr auf Fasziale Zuglinien, dass ein hoher Tonus Strukturen “wohin” ziehen lässt und dass langes Dehnen Gelenke destabilisiert, da Muskeln “ausleiern”, somit wären Faszientechniken geeigneter. Gleichzeitig wird unabhängig davon der Psoas Major als lokaler Stabilisator ignoriert. Mir sind die Zusammenhänge zwischen Tonus, Beweglichkeit/Dehnen und Krafttraining durch die vielen vielen PMS- und Digotorartikel soweit bekannt, mir fehlt nur die Durchschlagskraft, die anderen Thesen klar zu widerlegen. Gibt es Tipps, Argumente oder Paper, die die Argumente (Zuglinien durch Tonus) klar überholt zeigen und dass Dehnen nicht “destabilisiert”?

    Vielen Dank im Voraus. Ich hoffe mein Problem ist verständlich.

    Tobias Saueressig hat geantwortet vor 9 months aktiv. 2 Mitglieder · 5 Antworten
  • 5 Antworten
  • Tobias Saueressig

    Mitglied
    18. August 2023 at 12:27

    Hallo Marius,

    ein paar Sachen die uns dazu einfallen:

    – du könntest fragen auf welche Quellen er/sie sich generell den stützt?

    – Warum sollte ein Krafttraining der Hüftbeuger zu weniger beweglichkeit führen? Offentsichtlich nicht richtig: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33917036/

    einfachen Ursache-Folgeketten sind viel zu trivial, um das kinematische Verhalten in komplexen Systemen ausreichend erklären zu können. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29927892//

    die Bedeutung von Haltungskomponenten für Schmerz ist unklar: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31451200/

    LG Tobias

    P.S. Meine persönliche Erfahrung ist, dass man die meisten nicht mit Fakten und Argumenten überzeugen kann. Man kann nur die Möglichkeit aufzeigen, wo die Gegenargumente sind…z.B. Studien verlinken.

  • Marius Streit

    Mitglied
    18. August 2023 at 20:21

    Mega, vielen Dank für die schnelle Antwort und das Teilen der Erfahrung. Würde ich unterschreiben. Mir wurde vorhin folgender Link zu einer Studie geschickt, welche nach statischem Dehnen Laxität des Knies nachweisen soll (Wohl kurzfristig bei Warmup). Habe leider keinen Zugriff auf den Volltext.

    Kann man aus dem Abstract erkennen, ob da was dahinter ist oder nicht? Vllt. auch Erfahrungen bzgl. Journal? Teilnehmerzahl scheint ja vllt. schon mal kritisch zu sein eben so wie Langzeiteffekte? Vielen Dank nochmals!

    https://journals.lww.com/cjsportsmed/abstract/2015/11000/effects_of_static_stretching_and_playing_soccer_on.13.aspx

  • Tobias Saueressig

    Mitglied
    21. August 2023 at 7:49

    Hallo Marius,

    die Frage ist ja, was man aus diesen kurzfristigen Studien ableiten kann. Sowohl nach dem Fußballtraining als auch nach dem Dehnen kam es zu einer Steigerung der Laxität gemessen am Knie-Arthometer. Beim Dehnen war der Anstieg jedoch stärker. Die Frage ist ja nun, wie sich das langfristig auswirkt. Es könnte auch sein, dass Stretching langfristig Vorteile bringt, da es einen starken Reiz auf das Ligament bringt und so die Stabilität erhöht? Es könnte auch sein, dass eine erhöhte Laxität vorteilhaft ist, um eine Verletzung zu vermeiden? Durch diese Studie werden wir es jedoch nicht erfahren. Es gibt z.B. eine Meta-analyse, die sagt, dass statisches Dehnen zur Verletzungsprävention bei VKB-Rupturen beiträgt. ( https://bjsm.bmj.com/content/bjsports/49/2/79.full.pdf )

    “Conclusions While ACL prevention programmes are successful in reducing the risk of ACL injury, the ideal combination and emphasis of training components within these programmes remains unclear. Evidence indicates that greater emphases on balance training and static stretching may be associated with an increase and decrease in injury risk, respectively”

    Das Problem am Herausgreifen an einzelnen Studien ist, dass die gesamte Evidenz nicht betrachtet wird (“Cherry Picking”). Was jetzt der Weisheit letzter Schluss ist, lässt sich jedoch nicht so einfach feststellen. Statische Dehnungsübungen innerhalb eines Aufwärmprogramms scheinen, jedoch zumindest unproblematisch zu sein.

    LG

    Tobias

  • Marius Streit

    Mitglied
    21. August 2023 at 20:19

    Vielen lieben Dank Tobias für den Support! Ich schätze eure wertvolle Arbeit sehr!

    Das hat mir wirklich geholfen wieder Argumente zu finden !!

    Liebe Grüße, Marius.

  • Tobias Saueressig

    Mitglied
    22. August 2023 at 15:34

    Danke Marius!

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