Welches ist die optimale Test- und Trainingsposition für den M. infraspinatus?

Dem M. infraspinatus kommt für die glenohumerale Biomechanik eine wichtige Funktion zu. Neben seiner bekannten Funktion als Außenrotator besitzt er eine richtungsspezifische Stabilisierungsfunktion bei Schulterflexion und bei flexionsartigen Bewegungen wie z.B. dem Bankdrücken. (1,2)

Zudem bildet er mit dem M. subscapularis ein wichtiges transversales Kraftpaar im Sinne der „concavity compression“. (3,4)

Eine anatomische Studie von Kato et al. (2012) beschreibt 2 Anteile dieses Muskels, einen oberen transversalen und einen inferioren schrägen Anteil, wobei der transversale Anteil eine gemeinsame Innervation mit dem Supraspinatus aufweist. (5)

Dies wirft die Frage auf, ob es Unterschiede in der Aktivierung und Funktion der beiden Teile des Infraspinatus gibt.

Hughes und Kollegen untersuchten daher die optimale klinische Testposition für den M. infraspinatus bei einem Widerstand gegen die Außenrotation mit einem Nadel-EMG an 15 gesunden Probanden. (6)

INFRASPINATUS-TESTPOSITIONEN (6)

  • (a) Außenrotationswiderstand in 90° Schulterflexion
  • (b) Außenrotationswiderstand in Neutralstellung
  • (c) Außenrotationswiderstand  in 90° Schulterabduktion
  • (d) Außenrotationswiderstand in 40° Schulterextension

Ergebnisse

Insgesamt war dabei der oblique Anteil der Infraspinatus deutlich aktiver (74–90%) als der transversale Anteil (29–54%).

Zwar war die EMG-Aktivität des Infraspinatus absolut gesehen in Flexion geringer als in den anderen Testpositionen, allerdings war hier die höchste Aktivierung des Infraspinatus im Verhältnis zum Supraspinatus zu verzeichnen. In Schulterflexion war der schräge Teil des Infraspinatus 10-16 x aktiver als der Supraspinatus und der transversale Teil 7-16 x aktiver. In der Neutralstellung dagegen war der schräge Anteil des Infraspinatus 5-6 x aktiver als der Supraspinatus und der transversale Teil 4 x aktiver. Das Verhältnis bei den anderen Varianten war in dieser Hinsicht deutlich schwächer.

Fazit

Die besten Testpositionen, um bei einer Außenrotation primär den Infraspinatus im Gegensatz zum Supraspinatus zu testen, sind die Testung in Flexion und in der Neutralposition.

Eine höhere Aktivierung des schrägen Anteils des Infraspinatus kann durch ein Außenrotatoren-Training in Flexion realisiert werden, wie z.B. bei der „Side-lying wiper exercise,“. S. auch Ha et al. (7)

Literaturangaben

  1. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1440244011000028?via=ihub
  2. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21978788/
  3. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22959294/
  4. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34012769/
  5. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21935693/
  6. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23809837/
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3655748/
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