Warum eine schmerzhafte Behandlung kurzzeitig schmerzmodulierend wirken kann? Nicht das Gewebe, das Nervensystem ist wohl entscheidend!

60 gesunde Probanden mit latenten „Triggerpunkten“  wurden randomisiert 3 Gruppen zugeteilt:

  1. Schmerzhafte Nackenmassage (mit Druck auf Triggerpunkten) vor einer quantitativen sensorischen Testung (QST=Bestimmung von Druckschmerzschwellen an Unterarm und oberem Rücken, Temperaturschmerz-schwellen, CPM (konditionierte Schmerzmodulation), temporaler Schmerzsummation (Zunahme der Intensität bei multiplen Schmerzimpulsen, u.a.)
  2. Schmerzfreie Nackenmassage vor QST
  3. Kalt-Wasser-Aufgabe vor QST: Hand der Probanden wurde vor QST in ein Eisbad getaucht, um über eine konditionierte Schmerzmodulation (CPM) die endogene (körpereigene) Schmerzhemmung zu aktivieren. Bei Gesunden kommt es darunter zu einer kurz anhaltenden Schmerzreduktion des Testreizes von ca. 10–30%. Als der sogenannte CPM-Effekt wird die Differenz zwischen der Schmerzintensität des Testreizes vor bzw. nach dem Konditionierungsstimulus bezeichnet. (Sturm et al. 2019)

ERGEBNISSE

  1. Die Druckschmerzschwellen unterscheiden sich zwischen einer schmerzauslösenden Massage im Vergleich zur Kalt-Wasser-Aufgabe nicht, obwohl die Massage als weniger schmerzhaft wahrgenommen wurde.  Allerdings führten  sowohl die schmerzauslösende Massage als auch die Kalt-Wasser-Aufgabe zu größeren Veränderungen der Druckschmerzschwellen als die schmerzfreie Massage.
  2. Die schmerzauslösende Massage produzierte  eine signifikant stärkere Verbesserung der CPM als eine schmerzfreie Massage bzw. die Kalt-Wasser-Aufgabe.
  3. Personen mit einer effizienten CPM zu Beginn, die eine schmerzinduzierende Massage erhielten, zeigten stärkere Verbesserungen der nozizeptiven Sensibilität auf mechanischen Druck im Vergleich zu denen mit einer weniger effizienten CPM in der Basislinie. Dies könnte ein Responder-Kriterium dafür sein, wer von einer solchen Intervention besonders profitiert.

FAZIT

Diese Ergebnisse können die klinische Beobachtung erklären, warum schmerzhafte Behandlungsverfahren einen momentanen, schmerzreduzierenden Effekt haben können. Eine intakte Fähigkeit zur endogenen Schmerzmodulation könnte eine wichtige Responder-Voraussetzung dafür sein, dass Patient*innen von dieser Behandlung stärker profitieren.

CAVE: Über die klinische Behandlungsrelevanz sagt diese Grundlagenstudie nichts aus.

Literaturangaben

Primärquelle: Wilson, Abigail T., et al. “A Psychophysical Study Comparing Massage to Conditioned Pain Modulation: A Single Blind Randomized Controlled Trial in Healthy Participants.” Journal of Bodywork and Movement Therapies (2021) .ttps://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1360859221000371