Seeing others is believing – Analgetische Placeboeffekte durch Beobachtungslernen?

Hintergründe

Es gibt viele Studien zur Placeboanalgesie und deren zugrundliegenden Wirkmechanismen, die eine Behandlung von Patient:innen mit chronischen Schmerzen signifikant verbessern können. Beobachtungslernen als ein Wirkmechanismus wurde hingegen noch wenig untersucht.

Beobachtungslernen bezieht sich auf die Beobachtung einer Handlung an einer Modellperson und die darauf folgende Ausführung der Handlung durch den:die Beobachter:in selbst (s. Abb.)

Schwartz & Kollegen untersuchten in einer aktuellen Publikation in “der Schmerz” die aktuelle Forschungslage zur Placeboanalgesie durch das Beobachtungslernen.

Ergebnisse

Von den zwölf inkludierten Studien zeigten neun einen signifikanten Placeboeffekt durch das Beobachtungslernen, der hinsichtlich der Effektstärke von klein bis groß reichte.

Beobachtungslernen von Placeboeffekten ist unter Labor-bedingungen möglich, wobei eine Aufmerksamkeitslenkung wichtig ist.

Die Effekte von klassischer Konditionierung und Beobachtungslernen sind vergleichbar.

Live-Modelle, Videoaufnahmen und Bilder lösen ähnliche Effekte aus. Beobachtungslernen führt zu einer Erwartungsänderung.

Ausblick

Die vorliegende Evidenz liefert die Grundlage dafür, dass theoretisch klinisch signifikante Effekte möglich sind. Auch in einer ersten Studie mit Patient:innen mit chronischen Rückenschmerzen zeigten sich Placeboeffekte durch Beobachtungslernen, und zwar im Bereich der körperlichen Funktionskapazität. In diesem klinischen Bereich sind weitere Studien nötig, um die Aussagen auch auf chronische Schmerzpatient:innen zu beziehen.

Klinisch ist ein solches Beobachtungslernen nutzbar, indem z.B. erfolgreiche Teilnehmer eines Behandlungsprogrammes ihre Verbesserungen demonstrieren und diese Verbesserungen von den zukünftigen Teilnehmern- live, in Bildern oder als Video- beobachtet werden können. 

Beobachtungslernen und Schmerz

In der Lernphase berichtet das Modell in der Anwesenheit des:der Beobachters:in von einer niedrigeren Schmerzstärke bei Placebo-Cues als bei neutralen Cues. In der Testphase werden dem:der Beobachter:in Schmerzreize mit neutralen und Placebo-Cues dargeboten und der:die Beobachter:in schätzt die Schmerzstärke ein.

Literaturangaben

Primärquelle: Schwarzt et al. (2022) Seeing others is believing – Analgetische Placeboeffekte durch Beobachtungslernen?

error: Dieser Inhalt ist geschützt.