Schmerz als Resultat einer allostatischen Last

Wenn wir Schmerzen in der Praxis kausal beurteilen, kommen sowohl Patienten als auch Therapeuten häufig vorschnell zu dem Schluss, dass das Anheben eines Gegenstands oder vielleicht eine längere Sitzperiode für den Schmerz verantwortlich ist, schließlich trat der Schmerz ja direkt hinterher auf.

Was auf den ersten Blick logisch erscheinen mag, ist häufig allerdings viel komplexer. Bis zu 2/3 der Rückenschmerzpatienten sind zudem überhaupt nicht in der Lage, sich an einen konkreten Auslöser zu erinnern (Hall et al. 1998).

Wie kommt es dann aber zu solchen Schmerzen?

Genau das erklären Rabey & Moloney in einer brandaktuellen Studie in PHYSICAL THERAPY.

Schmerz sehen und beschreiben die Autoren als das Resultat einer allostatischen Last, die dann entsteht, wenn physische, psychische und soziale Stressoren unsere Kapazitäten soweit übersteigen, dass wir nicht mehr in der Lage sind, eine physische und mentale Homöostase aufrechtzuerhalten. 

Was dann entsteht, ist eine dysregulierte neuro-immuno-endokrinologische Stressreaktion mit dem Endresultat „Schmerz“. (s. 1. Abb.)

Im Sinne einer patientenzentrierten, ganzheitlich orientierten Schmerztherapie geht es dann darum, diese „Schmerztreiber“ zu definieren und therapeutisch zu adressieren. Um solche Zusammenhänge für Patienten transparent darzustellen, empfehlen die Autoren ein individualisiertes „Bubble-Diagramm“ (Abb. 2) , z.B. auf einem Whiteboard in der Praxis. Dazu bald mehr!

Veränderte Stress-Antwort

Ein „Bubble“-Diagramm als patienten-freundliches Erklärungstool

Literaturangaben

Primärquelle: Rabey & Moloney (2022) I Don’t Know why I’ve Got this Pain!” Allostasis as a Possible Explanatory Molde.

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