Die Skapulothorakale Muskelaktivierung bei verschiedenen Elevationsübungen

Demonstration der 6 untersuchten Übungen: Elevation in Bauchlage…

  1. im Kniestütz ohne Außenrotation (oben)
  2. im Kniestütz mit Außenrotation
  3. mit Fußkontakt ohne Außenrotation
  4. mit Fußkontakt mit Außenrotation 
  5. auf Behandlungsbank ohne Rumpfextension
  6. auf Behandlungsbank mit Rumpfextension

Borms und Kollegen untersuchten in einer brandaktuellen Publikation die EMG-Aktivität (Oberflächen-EMG) des oberen, mittleren und unteren Trapezius-Anteils bzw. des Serratus anterior bei 6 verschiedenen Varianten der „W-Übung“ in Bauchlage.

1. Elevation in Bauchlage im Kniestütz ohne AR

Der Proband liegt in Bauchlage auf einem Pezziball wobei Knie, Unterschenkel und Füße auf dem Boden aufliegen und schulterbreit auseinander stehen. Hüfte und Knie sind um 90° gebeugt und der Rumpf ist horizontal ausgerichtet. Beide Oberarme und der Kopf befinden sich in einer Linie mit dem Rumpf. Die Ellbogen sind gebeugt, in neutraler Rotation (=Daumen nach oben) und zeigen in Richtung Gesäßtasche. In dieser Position formen beide Arme den Buchstaben “W”. Dann bewegt der Proband beide Arme auf 150° Abduktion. In dieser Position bilden beide Arme den Buchstaben “V”.

2. Elevation in Bauchlage im Kniestütz mit AR

Wie bei der vorherigen Übung, jedoch wird der Außenrotation ein Widerstand durch ein Gummiband hinzugefügt. Die Enden des Gummibandes werden durch einen Knoten miteinander verbunden und zwischen den Daumen und die anderen Finger beider Hände gelegt. Die Probanden wurden gebeten, mit den Händen gegen das Gummiband zu ziehen, während sie die Übung bis zum vollen Umfang ausführten.

3. Elevation in Bauchlage auf den Füßen ohne AR

Die Person liegt in Bauchlage mit gestreckten Knien und Hüften auf einem Pezziball, wobei die Füße schulterbreit auf dem Boden stehen. Der Rumpf und der Kopf befinden sich in einer Linie mit den Beinen, beide Oberarme sind mit dem Rumpf ausgerichtet. Die Ellenbogen sind gebeugt, in neutraler Rotation (=Daumen nach oben) und zeigen in Richtung Gesäßtasche. In dieser Position formen beide Arme den Buchstaben “W”. Dann bewegt die Person beide Arme auf150° Abduktion. In dieser Position bilden beide Arme den Buchstaben “V“.

4. Elevation in Bauchlage auf den Füßen mit AR

Wie bei der vorherigen Übung, jedoch wird der Außenrotation ein Widerstand durch ein Gummiband hinzugefügt. Die Enden des Gummibandes werden durch einen Knoten miteinander verbunden und zwischen den Daumen und die anderen Finger beider Hände gelegt. Die Probanden wurden gebeten, das elastische Band auseinanderzuziehen, während sie die Übung bis zum vollen Umfang ausführten.

5. Elevation in Bauchlage auf Behandlungsbank ohne Rumpfextension

Der Proband liegt in Bauchlage auf einer Behandlungsbank mit gestreckten Knien und Hüften, die schulterbreit auseinander stehen. Der Rumpf und der Kopf sind in einer Linie zu den Beinen positioniert. Beide Oberarme sind auf den Rumpf ausgerichtet. Die Ellenbogen sind gebeugt, in neutraler Rotation (=Daumen nach oben) und zeigen in Richtung Gesäßtasche. In dieser Position formen beide Arme den Buchstaben “W”. Dann bewegt der Proband beide Arme auf 150° Abduktion. In dieser Position bilden beide Arme den Buchstaben “V”.

6. Elevation in Bauchlage auf Behandlungsbank mit Rumpfextension

Der Proband liegt in Bauchlage auf einer Behandlungsbank mit gestreckten Knien und Hüften, die schulterbreit auseinander stehen. Beine und Rumpf sind maximal, aber dennoch bequem extendiert (Füße und Schultern sind vom Tisch abgehoben). Der Kopf ist in einer Linie mit den Beinen positioniert. Beide Oberarme sind auf den Rumpf ausgerichtet. Die Ellenbogen sind gebeugt, in neutraler Rotation (=Daumen nach oben) und zeigen in Richtung Gesäßtasche. In dieser Position formen beide Arme den Buchstaben “W”. Dann bewegt der Proband beide Arme auf 150° Abduktion. In dieser Position bilden beide Arme den Buchstaben “V”.

Ergebnisse

Die normalisierte, maximale Willküraktivität (MVIC) lagen dabei für den unteren Trapezius im moderaten (42 – 48% MVIC) und für den mittleren Trapezius im hohen Bereich (63 – 66% MVIC). Dabei war zwischen den Übungsvarianten kein signifikanter Unterschied zu verzeichnen. Die Serratus anterior-Aktivität war mit ca. 20% MVIC eher gering.

Zwei weitere Ergebnisse sind interessant:

  • Eine Aktivierung der Schulteraußenrotatoren (Varianten 2, 4 vs. Varianten 1,3) führte zu einer signifikanten Abnahme der EMG-Aktivität im oberen Trapezius (Mittlere Differenz 7% MVIC (4%, 10%) and 9% MVIC (6%,13%), was in der Rehabilitation von Schulterpatienten in individuellen Fällen initialsinnvoll sein könnte. Grund dafür könnte aus Sicht der Autoren die höhere Aktivierung der posterioren Schultermuskulatur (Infraspinatus, Teres minor) sein, was wiederum die Aktivität des oberen Trapezius hemmen könnte.
  • Mit der Rumpfextension (Variante 6 vs. 5) kam es dagegen zu einer höheren Aktivierung des oberen Trapezius (Mittlere Differenz 7% MVIC (11%, 3%). Die Autoren vermuten, dass die anspruchsvollere Bewegungsaufgabe ein Grund dafür sein könnte, weshalb diese Variante für spätere Rehaphasen geeignet erscheint.

Fazit

„W-Übungen“ sind für die Aktivierung und das Training des unteren und mittleren Trapezius geeignet, wobei eine Akzentuierung der EMG-Aktivität im oberen Trapezius durch eine Rumpfextension generiert, und durch eine Außenrotation reduziert werden können.

Literaturangaben

Primärquelle: Borms et al. (2022) Scapulothoracic muscle activity during kinetic chain variations of a prone elevation exercise

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