Die Heilung des VKBs nach einer nicht-operativen Behandlung und die Konsequenzen für das Therapieergebnis!

Inhalt:

Mit dem Thema einer primär rehabilitativen vs. einer primär operativen Versorgung nach einer vorderen Kreuzbandruptur beschäftigen wir uns schon seit geraumer Zeit. Gerade haben wir eine Metaanalyse der verfügbaren randomisierten, kontrollierten Studien zur Veröffentlichung eingereicht.

Eine der inkludierten Studien, der sog. KANON Trail, liefert ganz aktuell “neues Futter” für diese Diskussion: Es wird oft angenommen, dass ein akut gerissenes Kreuzband nicht heilen kann. Filbay und Kollegen untersuchten die Heilung des vorderen Kreuzbandes innerhalb von 5 Jahren nach einer Kreuzbandruptur mittels MRT sowie die 2- und 5-Jahres Ergebnisse der Kniegelenksfunktion in Sport/Freizeit (KOOS) und der Lebensqualität (QOL) in Abhängigkeit vom Heilungsstatus.

Nach einer alleinigen Rehabilitationsbehandlung (n=26) zeigten 56 % nach 2 Jahren und 58 % nach 5 Jahren ein geheiltes VKB.

Personen mit einem geheilten VKB wiesen nach 2 Jahren hohe KOOS-Werte auf, 63-93 % erfüllten die Kriterien für einen aus Sicht der Patienten akzeptablen symptomatischen Zustand (PASS-Kriterien), verglichen mit 31-61 % in den Gruppen mit nicht geheiltem oder rekonstruiertem VKB.

Die Zwei-Jahres-KOOS-Werte für die Kniegelenksfunktion in Sport/Freizeit und Lebensqualität waren bei den nicht geheilten (mittlere Differenz (95 % CI) -21,9 (-38,8, -5,0); -26,9 (-41,7, -12,1)), den verzögert Rekonstruierten (-25,0 (-39,8, -10,1); -19,4 (-32,3, -6. 4)) und den frühen VKB-Rekonstruktionen (-18,0(-31,5, -4,5); -13,9(-25,6, -2,1)) im Vergleich zur geheilten VKB-Gruppe schlechter.

Schlussfolgerung

Die Heilungsrate des Kreuzbandes bei Patienten, die nur mit einer Rehabilitation behandelt wurden, war hoch (mehr als jeder 2.) und diese Patienten berichteten über bessere Ergebnisse im Vergleich zu den nicht geheilten VKB-Patienten UND den rekonstruierten VKB-Patienten.

Literaturangaben

Primärquelle: Filbay et al. (2022) 32?Spontaneous healing of the ruptured anterior cruciate ligament: observations from the KANON trial